1999 etablierte Blair Witch Project eine Machart in der Filmbranche, an der sich auch heute noch vor allem kleinere Produktionen bedienen. Die Rede ist von sogenannten Found Footage Filmen, die wirken, als seien sie gefundenes Filmmaterial der Protagonisten. Das Besondere daran: Der Zuschauer fühlt sich durch die perspektivische Nähe direkt ins Geschehen versetzt. Mit Chronicle – Wozu bist du fähig? ist nun ein weiterer dieser Filme erschienen.

Die drei Jugendlichen Andrew, Matt und Steve können, seitdem sie im Wald ein mysteriöses Objekt entdeckt haben, Gegenstände mit ihren bloßen Gedanken bewegen. Ohne größere Pläne genießen die drei die Vorzüge ihrer neuen Fähigkeiten. Schon bald müssen Matt und Steve allerdings feststellen, dass in Andrew langsam eine böse Seite heranwächst, die Rache an der Gesellschaft für sein Außenseiterdarsein nehmen will. Die beiden versuchen Andrew davon abzuhalten einen Fehler zu begehen, doch der stellt sich schnell als weitaus stärker heraus als erwartet.

Legobauen mal anders

Chronicle bietet also eine durchaus alternative Sicht auf die Thematik Superkräfte. Denn statt in das etablierte Schema der Guten und Bösen zu fallen, hinterfragt Chronicle vielmehr die Ideologie einer solchen Kraft. Wem das jetzt zu anspruchsvoll für Unterhaltung klingt, kann beruhigt sein. Chronicle versucht nichts zu beweisen, sondern relativiert schlichtweg die Reichweite einer solchen Macht.

Passend dazu hat man bei der Produktion vollständig auf bekannte Namen verzichtet und das Budget in eine durchdachte und hochwertige Umsetzung gesteckt. Denn wo die meisten Found Footage Filme tatsächlich nur das Bild einer Kamera wiedergeben, bildet Chronicle Sammlung der Ereignisse. Das mag zwar schöner und vor allem übersichtlicher wirken, nimmt dem Prinzip des Found Footage allerdings etwas von seiner Nähe.

Und trotzdem ist Chronicle einem angenehme Erfrischung für sein Genre und zeigt, dass ein Helden Film nicht immer nur aus coolen Sprüchen und großen Explosionen bestehen muss.